Salza 2023

Viele Kühe machen Mühe

Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist eine Kuh. Das mag wohl kaum verwundern, wenn man sein Zelt neben einer Kuhweide aufstellt. Was aber verwundert, ist das rege Interesse der Kuhherde an feuchtem Neoprengewand. Als mich die ersten Sonnenstrahlen auf dem Zelt aus dem Schlaf reißen, beschließe ich auf dem Weg zur Toilette noch die feuchten Neoprensachen zu wenden. Zu meiner Überraschung sind mir die Kühe aber bereits zuvorgekommen. Das hat man wohl davon, wenn man sein Equipment auf dem Weidegatter platziert.

Auch wenn mich ein paar Schlecker Kuhspeichel auf meiner Paddeljacke nicht großartig stören würden, so habe ich doch Angst, dass bei einer unerwartete 4-Magen-Reise eines maulgerechten Ausrüstungsgegenstands eine Kuh zu schaden kommen könnte. Leider bewegt sich die Kuhherde aber nur mühselig langsam am Kuhgatter vorbei. Die Mischung aus frischem Morgentau und leichtem Salzgehalt des Vortagsschweißes machen wohl jedem Leckstein ernstzunehmende Konkurrenz.

Nachdem die Herde endlich weitergezogen ist und sich dem Genuss der grünen Wiese widmet, komme ich endlich dazu die Toilette aufzusuchen. Als ich wiederkomme, steht erneut eine Kuh in unmittelbarer Reichweite zum Gatter. Sie scheint aber nicht am Neoprengewand gefallen zu finden und so ignoriere ich sie, vorerst. Als ich mich dem Zelt nähere, fällt mir ein Interessantes Detail auf. Sie steht außerhalb des Zauns. Das ist mal was Neues.

Losgelöst vom Herdentrieb und frei von jeglicher Begrenzung, marschiert sie in respektvollem Abstand an mir vorbei Richtung Wohnhaus. Ich öffne das Zelt und wecke Fiona mit den Worten: „Eine Kuh ist ausgebüxt.“ Kurz darauf stehen wir zu zweit mit Kamera vorm Zelt und beobachten, wie die Kuh mit vorsichtigem Blick durchs Fenster lugt. Ein paar andere Frühaufsteher unterbrechen ebenfalls ihre Morgenroutine, um der Szenerie zu folgen. Enttäuscht vom Blick durchs Fenster lässt sie die Zelte der anderen Camper desinteressiert links liegen und widmet sich nun der Wäscheleine, wo weiteres nasses Neoprengewand hängt.

Noch bevor ihre Schnauze Kontakt mit dem ersten Kleidungsstück herstellt, steht aber schon ihr Besitzer, Johann, vor ihr. Vom schlechten Gewissen getrieben, lässt sie sich zurück in Richtung Stall lotsen. Dort endet ihr guter Wille dann aber auch. Anstatt zurück auf die Weide zu gehen, stellt sie sich auf stur. Auf weiters Drängen folgt trotziger Ungehorsam und die Kuh verschwindet samt Johann Richtung Bach und außer Sichtweite. Das letzte, was wir zu hören bekommen, ist ein lautes: „Herta!“

Es folgt der Auftritt der Bäuerin. Ab hier sind die Augenzeugenberichte leider unzureichend. Sicher ist aber, dass die Kuh weniger später mit ihren Artverwandten wieder auf der Weide vereint ist, und wir uns beim Frühstück wieder dem Bootfahren widmen können. Ob des guten Wasserstands wäre eine Fahrt direkt ab dem Campingplatz möglich. Lorenz, Beate und Marcel schielen aber eher Richtung untere Salza und wollen die Strecke nicht zusätzlich verlängern. Florian hingegen will, wenn er schonmal da ist, alles befahren: Heliwelle, Campingplatzwalze, Lawinenschwall, Petrus, Kernleiten, … Einfach Alles.

Der Kompromiss ergibt sich folgendermaßen. Ich und Florian starten vom Campingplatz und treffen mit Lorenz, Beate, Marcel und Fiona in Fachwerk zusammen. Von dort geht es in gewohnter Weise bis Saggraben. Die Paddelzeit bis Fachwerk sollte ausreichen, um den Fahrern genügend Zeit zu geben die Autos auspendeln. Der Beschluss wird ohne Gegenstimme angenommen. Anschließend wird das Campingzeug noch schnell im Auto verträumt bevor wir uns in der frühen Mittagssonne schwitzend, in unsere restfeuchten Neoprensachen schälen. Als wir endlich im Bach sitzen, bin ich heilfroh über die Abkühlung.

Die Strecke über die Brunner Wellen wird im Eilzugstempo hinter uns gebracht. Erster größerer Stopp ist die Heliwelle. Zwei kurze Surfversuche reichen um gut gekühlt auf die Campingplatzwalze zuzusteuern. Danach setzten wir ein paar tiefe Kerzen in die scharfen Kehrwässer im Zulauf und verabschieden uns mit einer ausgiebigen Dusche in Richtung Fachwerk. Rund um die Händlstiege nutzen wir erneut ein paar Spielstellen und treffen wenig später bereist auf unsere Pendler. Nachdem diese bereits im Boot sitzen bleibt, kaum Zeit für eine Verschnaufpause.

Es folgen Moosrutsche, Pertus und Wasserlochklamm. Hier wird eine erste gröbere Pause eingelegt, weil Marcel das frühsommerliche Wetter nutzt, um seinen neuen Trockenanzug mit einem Sprung vom Steg einzuweihen. Der Ansicht nach dürfte der Anzug den Belastungstest überstanden haben. Aufgeblasen wie das Michelin-Männchen, hat er sichtlich Mühe wieder zurück an Land zu schwimmen. Trocken steigt er zurück ins Boot und schon geht es weiter. Eine etwas ausgiebigere Mittagspause folgt dann am Ende der langen Gasse.

Außer Sichtweite der Massen in Erzhalden verbringen wir ein paar ruhige Minuten auf den sonnigen Konglomeratterassen weiter flussaufwärts. Die Verpflegung in Form von diversen Fruchtquetschis und Müsliriegeln wird von Fiona bereitgestellt. Um einem anschließendem essensinduzierten Mittagskoma entgegenzuwirken, nutzen die Herren die höhergelegen Felsformationen gleich für einen Alpinstart. Diesmal ist keine Rolle notwendig. Das Wasserfalltraining hat sich bezahlt gemacht.

In der abschließenden Schlucht werden noch einmal die letzten Kräfte mobilisiert. Scharfe Kehrwässer sorgen für unzählige Kerzelversuche die mit zunehmenden Ermüdungserscheinungen der Muskulatur nicht mehr ganz so sicher sitzen, wie noch zu Beginn der Ausfahrt.  Surfwellen und Boofsteine, werden inzwischen zur körperlichen Herausforderung. Und dabei steht das Schwerste noch bevor, der Anstieg zum Parkplatz in Saggraben.

Als der Schotterweg in der Ferne endlich auftaucht herrscht einerseits Freude über das bevorstehenden Füße Austrecken, andererseits aber auch Ernüchterung über das mühsame Bootstragen. Wir überspringen den mühsamen Teil der Geschichte und kommen direkt zum abschließendem Nachmittagsessen in der Kartoffelhütte. Die Übermengen an Kohlehydraten, die dort in unsere Mägen wandern, lassen die Vorfreude auf den gemütlichen Autositz immer stärker werden. Immerhin fällt so der Abschied etwas leichter. Bis zum nächsten Mal.

Euer Paddelclub Pernitz

Dieser Beitrag ist Teil der Serie:

Pfingstpaddeln 2023

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